Christian Wirmer spielt Büchner: "Lenz"

Konzept

Mit den Worten „Den 20sten ging Lenz durchs Gebirg“ beginnt eine „Winterreise“. Dementsprechend ist die Arbeit auf Wanderungen entstanden. Die Sprache selbst in Beziehung zur Natur und ihren Zuhörern stand von Anfang an im Vordergrund. Das Erzählen in „freier Rede“ bedarf keiner inszenierten strengen Form.

Premiere

Inge Schmidt bezeichnete dieses außergewöhnliche Ereignis als "einen der absoluten Höhepunkte im Büchnerhaus".
(weiterlesen: Darmstädter Echo, 01.06.2011, pdf)

Büchner - Lenz

Bewährte Spielorte:

Text

„Ich habe mir hier allerhand interessante Notizen über einen Freund Goethes, einen unglücklichen Poeten Namens Lenz verschafft, der sich gleichzeitig mit Goethe hier aufhielt und halb verrückt wurde. Ich denke darüber einen Aufsatz in der Deutschen Revue erscheinen zu lassen”, schreibt Georg Büchner im Oktober 1835 aus Straßburg an seine Familie. Hauptquelle Büchners ist ein Rechtfertigungsbericht, den der philanthropische Pfarrer und Sozialreformer Oberlin (1740 - 1826) über Lenzens Aufenthalt im vogesischen Steintal (20.1. - 8.2.1778) angefertigt hat.

In Büchners Novelle verdichten sich diese Tage zum Sinnbild eines Lebens der ständigen Suche nach Sinn, voller Höhen und Tiefen: Er beschreibt Lenzens allmähliche Verrückung der Wahrnehmung, das Einwirken der Natur, die Sehnsucht nach Gemeinschaft und Gemeinsamkeit mit Anderen, die Zerrissenheit und Ambivalenz zwischen religiösem Wahn und Atheismus, zwischen Hybris und Selbstgeißelung, Manie und Langeweile, Traum und Wachheit:

„Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, dass er nicht auf dem Kopf gehn konnte.”

„Mit diesem Satz beginnt die moderne europäische Prosa” behauptet Arnold Zweig bereits Anfang der 20ger Jahre und erhält dafür weiterhin ungeteilte Zustimmung.

Büchners Handschriften zum "Lenz" sind leider verschollen; es lohnt, die unterschiedlichen Überlieferungen zu vergleichen. Ich orientiere mich an der redigierten Fassung der Marburger Büchnergesellschaft, zu finden im Büchnerportal.